Mittwoch, 7. Januar 2015

25. Kapitel- Jane Casablanca

15. Kapitel- Jane Casablanca

Ihr werdet noch von mir hören.
Tolle Aussichten.
Mir ging der letzte Satz des Entführers nicht aus dem Kopf.
Des Entführers von Jayni, Asaki und Tyler. 
Tyler ist entführt worden.
Diese Erkenntnis sickerte langsam zu mir durch. Langsam wurde mir erst die Bedeutung dieses Satzes klar. Tyler ist entführt worden. Und zwar von einem irren Kerl mit einem Messer. Wir wussten nicht, wohin, warum und vorallem: Ob wir Tyler jemals wiedersehen würden.
Der Entführer war auf Tyler zugegangen. Und Tyler war mitgegangen. Ohne sich zu wehren. Er hatte sich für Yuuna und mich geopfert. Aber mit welchem Preis! Er und der Entführer waren im Dunkel der Achterbahn verschwunden. In die entgegengesetzte Richtung. Yuuna und ich hatten schließlich den Weg nach draußen gefunden; ich hatte die völlig aufgelöste Yuuna noch zu ihrem Apartement begleitet. Wir hatten abgemacht, uns morgen wieder zu treffen und unser weiteres Vorgehen zu beratschlagen. Letztendlich war ich dann eine dreiviertel Stunde zu spät bei Marty und seinen Eltern eingetroffen. Sie hatten sich anscheinend ziemliche Sorgen um mich gemacht, aber nach einer Ausrede meinerseits, ich hätte vor lauter Begeisterung die Zeit vergessen, gaben sie Ruhe. Wir saßen beim Mittagessen, und Martys Mom durchlöcherte mich mit Fragen und hatte zu jeder meiner Bewegungen einen Kommentar. 
"Jane, du siehst blass aus! Geht es dir gut? Ist das die Zeitverschiebung? Iss doch noch etwas! Vielleicht noch ein paar Bohnen? Oder ein Schälchen Obstsalat? Sag' einfach, wenn du irgendetwas brauchst!" 
Diese Ansage wiederholte sie leider alle zwei Minuten, weshalb ich froh war, kurzzeitig erlöst zu sein, als das Telefon klingelte. Mit einem "Ich geh' ran!" erhob ich mich vom Esstisch, ging ins Wohnzimmer und nahm den Hörer ab. 
"Hallo?"
"Dich werde ich auch noch erwischen, Jane Casablanca. Dich und diese Yuuna auch. Und wenn du nur ein Sterbenswörtchen verrätst, müssen alle deine Lieben dran glauben. Verstehst du, was ich meine? Also keinen Unfug machen! Bis auf ein baldiges Wiedersehen!"  
Und aufgelegt. Mir war flau im Magen. Meine Kehle schien zu brennen und mein Herz wie ein Schlagzeug zu schlagen. Dies war dieselbe Stimme wie die des Entführers in der Geisterbahn gewesen. Er hatte Tyler entführt und plante nun auch noch Yuunas und meine Eliminierung. Und mein Gefühl sagte mir, dass wir unmöglich die einzigen Opfer sein würden.

Donnerstag, 1. Januar 2015

Kapitel 22- Jane Casablanca

Ahoy!
Seid ihr alle froh und gesund ins neue Jahr gerutscht? 
Und nun wieder ein Kapitel von mir, da Siathen noch nicht aus dem Urlaub zurück ist und Chiarella und ich ja jetzt immer abwechselnd schreiben :-)
Viel Spaß! Und noch einmal: Ich würde mich SEHR über Kommentare freuen!

Kapitel 22- Jane Casablanca
Eins muss man den Großstädten lassen: Jahrmärkte gibt es in Alaska nicht. Und Jahrmärkte sind einfach super. Und am allerallersupersten ist der New Yorker Jahrmarkt. Und das Prunkstück des New Yorker Jahrmarkts sind die Achterbahnen. Denn davon gibt es ungemein viele. 
Der Rummel, zu dem Tyler Yuuna, Asaki und mich geführt hatte, befand sich mitten in der Stadt auf einem großen Platz. Achter- und Geisterbahnen, Karussells und selbst das Riesenrad schienen dort nur vorübergehend zu stehen und sich abbauen zu lassen. 
Tyler erzählte, gleich bei ihm um die Ecke sei ein weiterer Jahrmarkt, das weltberühmte Disneyland, und wenn uns dieser kleinere Rummel gefallen würde, würden wir in ein paar Tagen auch nach Disneyland fahren. 
Yuuna fragte ihn skeptisch, wieso wir auf einen Jahrmarkt gehen würden, obwohl wir eigentlich wichtigere Dinge zu tun hätten, wie zum Beispiel die mysteriösen Ereignisse aufzuklären.
 Tyler gab zurück: "Sherlock Holmes können wir auch noch später spielen. Das hier ist doch eine gute Ablenkung von dem ganzen Zeug, oder? Ein bisschen Spaß muss sein."
Darauf erwiderte Yuuna nichts. Inzwischen hatten wir schon drei Achterbahnen, ein Teetassenkarussell und einen Imbissstand unsicher gemacht (Asaki war schon ziemlich grün im Gesicht).
Tyler kaufte gerade die Fahrchips für die Geisterbahn. Der Kerl, der in der Geisterbahn arbeitete, führte uns mit gelangweiltem Blick zu einem Gleis, auf dem bereits ein gewollt gruselig ausstaffierter "Geisterzug" stand, mit dem wir in das Geisterhaus fahren würden. Ganz vorne, im ersten Wagen, saß eng umschlungen ein junges Pärchen, zwei Reihen dahinter verteilte sich eine Familie auf zwei Wagen, bestehend aus zwei kleinen Kindern, einem beängstigend fetten Mann und einer dürren Frau mit fahler Haut und strengem Gesicht. Wir vier setzten uns in die letzten Wagen des Zugs, Yuuna und Asaki ganz nach hinten, und Tyler und ich eine Reihe davor. Mit einem Knall schloss der Geisterbahnkerl die Türen und schlurfte zurück in das Kartenverkaufshäuschen. Er drückte einen Hebel und Ruck! fuhr der Zug an, direkt in die Schwärze des Geisterhauses hinein. 
Ich war noch nie Geisterbahn gefahren (wo auch in Alaska, im Grusel-Grizzly-Express?), aber ich entschied mich dafür, dass mir die Fahrt Spaß machte, obwohl sie überhaupt nicht gruselig war. Die Kinder ein paar Wagen vor uns kreischten sich die Seele aus dem Leib, aber ich fand die Mischung aus lächerlicher Schauermusik, Knarrgeräuschen und brutal zugerichteten Plastikpuppen nicht annähernd zum Gruseln, und anscheinend ging es dem wegdämmerndem Tyler, der gähnenden Yuuna und dem schnarchenden Asaki genauso.
Es wurde erst gruselig, als der Zug stehen blieb. 
Zuerst dachte ich, es sei ein weiteres Gruselelement. Aber als nach fünf Minuten nichts geschah, wurde ich nervös. Auf einmal durchbrach Tylers Stimme das Schweigen.
"Leute...? Fällt euch was auf? Wir sind die einzigen hier!"
"Hä?" Mein Kommentar dazu.
"Die... Die anderen Mitfahrer sind weg. Verschwunden."
"Das kann nicht sein!", rief Yuuna. Sie erhob sich von ihrem Sitzplatz. "Hallo? Ist da jemand? Da vorne? Hallo???"
Tatsächlich, Tyler hatte Recht. Unsere Mitfahrer, die Familie und das Paar, waren spurlos verschwunden.
"Verpufft." Asakis Stimme klang unbehaglich.
Yuuna regte sich immer noch auf.
"Aber wie geht das???????"
"Keine Ahnung. Das passiert hier ja die ganze Zeit! Mit ihnen ist das gleiche passiert, wie mit Jayni und allen anderen. Obwohl... Vielleicht ist er gekommen..." In Tylers Stimme schwang ein Schaudern mit.
"Wer???" Yuuna schien gleich der Kragen zu platzen.
"RAUS HIER! ABER SCHNELL!"
Tyler sprang auf, drückte mit Gewalt die Sicherheitsstange hoch und stieg aus dem Wagen.
"Warum? Was ist denn los?", wollte ich wissen. Ich hasse Geheimnistuerei.
"Keine Zeit für Erklärungen! Weg hier!"
Tyler klang panisch. Asaki stand bereits neben ihm, Yuuna kletterte gerade aus dem Wagen. Ich folgte ihrem Beispiel. Hastig begann Tyler, den Gang zurückzulaufen. Dabei sah er sich wie gehetzt um.
Die Schienen wurden durch trübes, rotes Licht erhellt, sodass man wenigstens den Weg sehen konnte.
Mir war aufgefallen, dass alle Gespenstereffekte aufgehört hatten. Wie bei einem Stromausfall. Nur das dazu noch das Sicherheitspersonal und die Fahrgäste ausgefallen waren. Oder besser gesagt: verschwunden. Spurlos verschwunden. Durch was bloß? Oder besser: Durch wen?
Zum ersten Mal ging mir auf, dass wir in dieser Geisterbahn vielleicht nicht alleine waren.